SCHÜLERBEFÖRDERUNG IN GEFAHR

2. März 2022 by Silke Leitner

Tarife und Zumutbarkeitsregeln gehören dringend angepasst. Gemeinsamt mit der WKO und anderen Gemeinden hat die Gemeinde Passail eine Petition ins Leben gerufen.

Dass ein Kind sicher zur Schule und wieder zurück nach Hause gelangt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Leider ist dem nicht immer so. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Schülerfreifahrt stammen noch aus den 1970-er Jahren – und seither hat sich daran nichts Grundlegendes geändert. Stark verändert haben sich in den letzten 50 Jahren allerdings die Gegebenheiten, was mitunter zu großen Problemen führt. Das zeigen die prekären Situationen in vielen ländlichen Gemeinden, wie in Passail. Aufgrund der Tarifstruktur ist es seit einigen Jahren nicht mehr möglich, den Schülertransport rein mit Transportunternehmen auszuführen. Aus diesem Grund ist die Gemeinde nicht nur gezwungen, einen Kostenersatz zu leisten, sondern hat 2016 auch ein eigenes Personenbeförderungsgewerbe gegründet, um mit zusätzlichen drei eigenen Fahrzeugen den Schülertransport im Gemeindegebiet sicherstellen zu können. „Das ist nicht Gemeindeaufgabe. Es werden zunehmend Aufgaben des Bundes auf die Gemeinden abgewälzt. Nicht nur, dass wir auf den Kosten sitzen bleiben, sondern wir leisten auch Zuzahlungen, wo es gesetzlich eigentlich gar nicht erlaubt ist, damit die Kinder sicher in die Schule gelangen“, so Bürgermeisterin Eva Karrer. Neben dem Kostentarif macht den Gemeinden besonders auch die 2-Kilometer-Regel zu schaffen, die besagt, dass es Kindern zuzumuten ist, diese Distanz zu Fuß zur Schule zurückzulegen. Hier werden aber keine individuellen Umstände beachtet. So hat sich u.a. das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahrzehnten stark erhöht. „Wie kann es einem Kind zumutbar sein, auf einer viel befahrenen Landstraße ohne Gehsteig und ohne Beleuchtung zur Schule zu gehen?“ zeigt sich Bürgermeisterin Eva Karrer unverständlich. Auch die zumutbaren Wartezeiten von einer Stunde, die Problematik bei Stichfahrten und vieles mehr machen den ländlichen Gemeinden große Probleme.

Bereits vor drei Jahren hat die Gemeinde Passail eine Petition ins Leben gerufen – leider ohne nennenswerten Erfolg. Das soll diesmal anders werden. Die gewerberechtliche Geschäftsführerin des Personenbeförderungsgewerbes Claudia Schinnerl hat einen Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, der detailliert aufarbeitet, wo genau die Probleme im Schülertransport am Land liegen. Gemeinsam mit anderen betroffenen Gemeinden, Vertretern der Politik und der Wirtschaftskammer wurde darauf aufbauend nun eine groß angelegte Petition ins Leben gerufen, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen und dringend nötigte Änderungen einzufordern.

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